Konjunkturrückgang weltweit Hauptsorge der CEOs – Neue Märkte insgesamt am optimistischsten
Zum ersten Mal seit 2003 ist die Zuversicht der weltweit von PwC PricewaterhouseCoopers interviewten CEOs gesunken. Der leichte Rückgang von 52% auf 50% im Anteil an Führungskräften, die den kommenden 12 Monaten „sehr zuversichtlich“ entgegensehen, ist ausschließlich auf die Sorge vor Konjunkturschwankungen zurückzuführen. Zu allen anderen Wachstumsrisiken wie Klimawandel, Terrorismus und Energieversorgung zeigten sich die 1.150 Studienteilnehmer weniger besorgt als im Vorjahr. Zentrale Anliegen sind neben einer möglichen Konjunkturabschwächung die Themen Überregulierung und Fachkräftemangel.
Zu diesem Ergebnis kommt der „11th Annual Global CEO Survey“ von PwC PricewaterhouseCoopers, der heute beim jährlichen Gipfel des Weltwirtschaftsforums in Davos in der Schweiz präsentiert wurde.
Die Sorge um die Konjunktur ist in Nordamerika bei weitem am deutlichsten. Dort sind gerade einmal 35% der CEOs hinsichtlich Wachstum ‘sehr zuversichtlich’, gegenüber 53% im Vorjahr. Unter den CEOs in Westeuropa sank dieser Wert ebenfalls auf 44%, was einen Rückgang um 8 Prozentpunkte darstellt. Demgegenüber stieg die Zuversicht unter den CEOs in den aufstrebenden Volkswirtschaften des Asien-Pazifik-Raums, Lateinamerikas sowie Zentral- und Osteuropas auf jeweils ca. 55% an. Dieser wachsende Optimismus ist in China und Indien besonders ausgeprägt – Werte von 73% bzw. 90% sprechen hier eine deutliche Sprache.
Zum ersten Mal seit der Einführung von PwCs CEO Survey nannten die CEOs heuer eine mögliche Konjunkturabschwächung als die größte Bedrohung ihrer geschäftlichen Wachstumsaussichten. Bisher war stets Überregulierung als Hauptgeschäftsrisiko bewertet worden. Terrorismus und Pandemien, früher Hauptsorgen, wurden nur von 31% bzw. 28% der Befragten genannt.
"Die Kreditkrise und die Konjunkturabschwächung in den westlichen Volkswirtschaften haben zu einer klaren Spaltung in den Zuversichtlichkeitsniveaus der CEOs weltweit geführt," so Samuel A. DiPiazza, Global CEO von PricewaterhouseCoopers, bei der Pressekonferenz in Davos am Dienstag Abend. “Die Gefahr, dass die Abschwächung zu einer Rezession führt, wird von den CEOs in den etablierten Volkswirtschaften, wie den USA und Westeuropa, als groß eingestuft. In den neuen Märkten ist die Zuversicht der CEOs weiterhin hoch, vielleicht auch weil sie seit 10 Jahren oder mehr nichts außer rascher Expansion erlebt haben.”
Der „Annual Global CEO Survey“ wird jährlich von PwC durchgeführt. Dabei wurden im Jahr 2007 1.150 Interviews mit CEOs in 50 Ländern geführt: 454 Interviews in Westeuropa, 277 im asiatisch-pazifischen Raum, 136 in Lateinamerika (einschließlich Mexiko), 130 in Nordamerika (30 in Kanada), 86 in Mittel- und Osteuropa und 37 im Mittleren Osten und Afrika.
Die Bedrohung durch den Klimawandel erfordert staatliche Maßnahmen
Trotz der unübersehbaren Debatte über die Erderwärmung wurde der Klimawandel von nur 34% der CEOs weltweit als besorgniserregend bezeichnet. Lediglich 37% gaben an, dass ihre Organisation beträchtliche Ressourcen investieren würde, um die mit dem Klimawandel in Zusammenhang stehenden Risiken und Chancen in Angriff zu nehmen. In krassem Gegensatz zu ihrer Furcht vor Überregulierung sprachen sich jedoch vier Fünftel der CEOs für verstärkte staatliche Maßnahmen zur Emissionsreduktion aus. Insgesamt vertraten 73% der CEOs die Auffassung, dass die Unternehmen zur Verminderung des Klimawandels effizienter mit anderen Unternehmen derselben Branche und Geschäftspartnern zusammenarbeiten müssen.
Bedrohung der Überregulierung nimmt ab
Im Gegensatz zu den Vorjahren, als aufsichtsrechtliche Themen wie Sarbanes-Oxley das Denken der CEOs bestimmten, nahm die Bedrohung der Überregulierung dieses Jahr ab, blieb jedoch weiterhin eine der drei Hauptsorgen der CEOs.
Bestehende Märkte und neue Produkte als Schlüssel zu kurzfristigem Wachstum
Die Sorge um die weltweite Konjunktur beeinflusste auch die Pläne der CEOs für eine Expansion in den nächsten 12 Monaten. Derzeit sehen mehr CEOs ihre größten Chancen auf ein kurzfristiges Wachstum eher in einer besseren Durchdringung bestehender Märkte oder in der Entwicklung neuer Produkte als in Fusionen, Übernahmen oder regionaler Expansion. Wie auch im Vorjahr gaben die CEOs an, zukünftiges Wachstum lieber aus Gesellschaftsmitteln zu finanzieren als auf externe Quellen, wie Fremdkapital- oder Eigenkapitalmärkte zurückzugreifen.
Weltweite Fusions- und Übernahmeaktivitäten sollen 2008 zunehmen
Weltweit gaben 24% der CEOs an, dass ihr Unternehmen zumindest eine grenzüberschreitende Fusion oder Akquisition innerhalb der letzten 12 Monate abgeschlossen habe, während 31% dies innerhalb der nächsten 12 Monate vorhaben. Die Bereitschaft, an grenzüberschreitenden M&A-Aktivitäten teilzunehmen, war bei den CEOs in Westeuropa am größten. Die beliebtesten Ziele für M&A-Aktivitäten sind Asien, Westeuropa, Osteuropa und Nordamerika.
Entstehung gemeinschaftlicher Unternehmensnetzwerke
Insgesamt vertrat mehr als die Hälfte der CEOs die Ansicht, dass gemeinschaftliche Netzwerke ein wichtiges Organisationsprinzip für Unternehmen sein werden, und lediglich 17% ‘denken, dass die Kosten und Risken der Netzwerke die Vorteile überwiegen’. Ungeachtet dessen erachten 37% die Errichtung von Netzwerken als eine Aktivität von untergeordneter Bedeutung.
Der Kampf um Fachkräfte geht weiter
Der Kampf um Fachkräfte bleibt weiterhin ein zentrales Anliegen der CEOs. Insgesamt meinten mehr als zwei Drittel aller CEOs – 85% in Nordamerika – dass sie ihre Zeit am sinnvollsten Personalfragen widmen. CEOs im Asien-Pazifik-Raum zeigten sich über die Verfügbarkeit von Schlüsselkräften am meisten besorgt. Die CEOs im Asien-Pazifik-Raum vertraten auch am stärksten die Ansicht, dass ihre Organisation die Art der Personalentwicklung ändern müssen.