Laut der Lissabonner Strategie wurde im Jahr 2000 ein Ansteigen der Mobilität in der Europäischen Union bis zum Jahr 2010 prognostiziert. Die EU entwickle sich bis dahin zum weltweit dynamischsten und wettbewerbsfähigsten Markt. Basierend auf dieser Zielsetzung hat PwC PricewaterhouseCoopers im Rahmen der internationalen Studie „Managing Mobility Matters 2006“ die berufliche Mobilität in Europa untersucht. Das Ergebnis zeigt: Die berufliche Umzugsbereitschaft liegt – mit Ausnahme von Irland, Großbritannien und den nordischen Ländern – weit hinter den Erwartungen zurück.
Ausgangspunkt der Lissabonner Strategie war damals die Annahme, dass die Arbeitgeber aufgrund der erhöhten Mobilität von qualifizierten Arbeitskräften in der Lage seien, fehlende Fachkräfte zu konkurrenzfähigen Kosten zu gewinnen.
Die aktuelle PwC-Studie besagt, dass im Jahr 2006 nur ein Drittel der 445 befragten Arbeitgeber aus 14 Ländern Bewerbungen aus anderen EU-Ländern für Positionen im oberen Management, in freien Berufen und für qualifizierte manuelle Tätigkeiten erhielt. Insgesamt entspricht die Anzahl der eingegangenen, nicht inländischen Bewerbungen gerade einmal 5 % der Gesamtmenge.
Mobilitätshindernisse gibt es zahlreiche: Die Sprache stellte dabei einen wesentlichen Stolperstein dar. Unterschiede in den Steuersystemen, in der Kranken- und Pensionsversicherung, das Fehlen einer EU-weit einheitlichen Arbeits- und Sozialgesetzgebung und die sehr lückenhafte zwischenstaatliche Anerkennung von beruflichen Qualifikationen können ebenfalls abschreckend wirken. Ähnliches gilt auch für die praktischen Dinge des Lebens, wie Schulbildung der Kinder, Beschäftigungsmöglichkeiten für den Ehepartner, oder die Trennung von Freunden und dem gesellschaftlichen Umfeld.
Die Studie zeigt auch, dass es in der Öffentlichkeit kaum positive Berichterstattung über die Möglichkeiten der Beschäftigung in anderen Ländern gibt. Dieser Tatsache müssten im Interesse einer Erhöhung der Mobilität die einzelnen Mitgliedstaaten und Arbeitgeber entgegen wirken.
Jene Unternehmen, die ausländische Arbeitskräfte beschäftigen, sind im Allgemeinen mit deren Leistungen zufrieden. Viele Unternehmen glauben, dass diese mehr Bereitschaft zeigen, sich einzugliedern und härter zu arbeiten als die einheimischen Mitarbeiter. Tatsächlich nannten 3% ein verbessertes Kundenservice als entscheidenden Faktor für die Beschäftigung von ausländischen Arbeitskräften, verglichen mit nur 21% im Jahr 2001.
Es stellt sich die Frage, ob die Lissabon-Ziele allzu optimistisch oder unrealistisch waren. Johannes Mörtl, Partner bei PricewaterhouseCoopers Österreich, sieht die Sache so: „Dass Unternehmen in ganz Europa von der erhöhten Mobilität von Fachkräften profitieren, ist bekannt. Diese Studie dient dazu, der Kommission und den Arbeitgebern einige der bestehenden Hindernisse vor Augen zu führen. Denn derzeit sieht der Trend noch anders aus: Auf Grund der mangelnden Mobilität von Fachkräften verlagern Unternehmen mittels Outsourcing- und Offshoring-Programme ihre Betriebe dorthin, wo sich die passenden Arbeitnehmer befinden“.
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