PwC-Studie: Energieversorger setzen langfristig auf Nuklearenergie / Politik soll bei Energieeffizienz die Führung übernehmen / Sicherung von Kohle-, Gas- und Ölreserven gewinnt an Bedeutung

Pressemitteilung, 2. Juli 2008

Die Energieversorger halten Kernkraft zur Eindämmung des Klimawandels auch langfristig für unverzichtbar. Bis zum Jahr 2050 werde Nuklearenergie eine maßgebliche Rolle bei der Reduzierung von Treibhausgas-Emissionen spielen, glauben knapp 60 %der befragten Top-Manager. Von erneuerbaren Energien wie Wind-, Wasser- und Solarkraft erwarten 54 % einen wesentlichen Beitrag, wie aus der Studie "Utilities Global Survey 2008" der Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) hervorgeht. Allerdings gibt es erhebliche regionale Unterschiede bei der Bewertung erneuerbarer Energiequellen. Während diese nur für 35 % der amerikanischen Befragten langfristig wichtig sind, glauben in Europa und der Region Asien-Pazifik rund 70 % der Versorger an einen wichtigen Beitrag erneuerbarer Energien zum Klimaschutz.

Einen überraschend niedrigen Stellenwert messen die Befragten der Einlagerung von Kohlenstoffdioxid bei. So glaubt nur rund jeder vierte Befragte, dass unterirdische Kohlenstoff-Speicher in den kommenden zehn Jahren den Ausstoß von Treibhausgasen in die Atmosphäre reduzieren werden. Auch in der langfristigen Perspektive bis 2050 gewinnt die Technik kaum mehr Anhänger (26 %). Für die Studie befragte PwC 118 Vorstände und Führungskräfte von Energieversorgern aus 37 Ländern.

Energiesparen hat Priorität

Um den weltweit steigenden Energiebedarf zu decken, reicht eine Ausweitung der Kapazitäten allein nicht aus. So sind fast 80 % der Versorger der Ansicht, dass neue Technologien zur Energieeinsparung in den kommenden zehn Jahren die stärksten Auswirkungen auf den Energiemarkt haben werden - annähernd 20 % mehr als in der Umfrage von 2007.

Bei der Energieerzeugung könnten Gaskraftwerke nach Einschätzung von knapp 70 % der Versorger am meisten von neuen Technologien profitieren, gefolgt von Wind- (62 %) und Kernkraftwerken (57 %). Bemerkenswert ist der Stimmungsumschwung zu Gunsten der Solarenergie. Glaubten in der Umfrage von 2007 in diesem Bereich nicht einmal 30 % an nennenswerte Effizienzgewinne durch neue Technologien, sagen dies nunmehr 54 %. „Allerdings sollte man diesen Umschwung auch im Kontext der weiterhin generösen Förderpolitik verschiedener Länder aus Europa interpretieren, was dazu führt, dass heute China und nicht Deutschland Marktführer bei Solarmodulen ist“, kommentiert Olivier Mortelmans, Partner bei PwC Luxemburg.

Politik soll Führung übernehmen

Bei der Förderung effizienter Energienutzung und -erzeugung sieht die klare Mehrheit (59 %) der befragten Energieversorger die Regierungen in einer Schlüsselposition. Demgegenüber halten nur 18 % die eigene Branche und 13 % die Energieverbraucher in den kommenden zehn Jahren für die Schrittmacher des technologischen Wandels. Bemerkenswert ist der Stimmungsumschwung im Vergleich zur Umfrage des Vorjahres. In 2007 sprachen sich weniger als 20 % der Befragten für eine Führungsrolle der Politik aus; über 40 % sahen in erster Linie die Verbraucher in der Verantwortung.

Emissionshandel zeigt Ergebnisse

Ein prominentes Beispiel für staatliche Klimapolitik ist das EU-Emissionshandelssystem (Emissions Trading Scheme, ETS). Energieerzeuger und andere Industrien müssen im ETS die zur Produktion benötigten CO2-Mengen über Zertifikate erwerben. Da bis 2008 allerdings mehr Zertifikate zur Verfügung standen als benötigt, war der Anreiz zur CO2-Reduzierung in der Vergangenheit gering. Dies scheint sich nunmehr zu ändern. Mittlerweile haben mehr europäische Versorger auf einen klimafreundlicheren Energiemix umgestellt (36 % gegenüber 28 % im Jahr 2007). Ferner haben der aktuellen Umfrage zufolge 53 % der Befragten ihren Emissionsausstoß wegen des ETS gesenkt - ein Jahr zuvor gaben dies lediglich 14 % der Versorger an.

Energiesicherheit beschäftigt Versorger

Angesichts steigender Preise und der schwindenden Verfügbarkeit von Kohle, Gas und Öl bleibt die Versorgungssicherheit für die Versorger ein wichtiges Thema. So ist der Anteil der Befragten, die sich über Direktinvestitionen den Zugriff auf Energieressourcen sichern wollen, deutlich von 33 % auf 51 % gestiegen. Eine Ausweitung ihrer Upstream-Aktivitäten über ein Joint Venture oder andere Kooperationsformen erwägen 53 % der Versorger und somit doppelt so viele wie im Vorjahr (27 %).

Gleichzeitig müssen sich die Energieversorger mit neuen Wettbewerbern auseinandersetzen. So erzeugen energieintensive Industrien den benötigten Strom zunehmend dezentral in eigenen Kraftwerken. Diese Konkurrenz nehmen die Befragten mittlerweile genauso ernst wie den Wettbewerb mit anderen Energieversorgern.

"Die Trennschärfe zwischen Rohstoffproduzenten und Energieversorgern verwischt. Gefördert wird diese Entwicklung durch Deregulierungsinitiativen, beispielsweise durch die angestrebte Trennung von Stromerzeugung und Leitungsnetz („unbundling“) in der EU. Angesichts des Wettbewerbs um Ressourcen, Marktanteile und Technologien sind in diesem Umfeld weitere Allianzen bis hin zu Mega-Mergern zu erwarten.
In kleinflächigen, vom Import fossiler Energiestoffträger abhängigen Volkswirtschaften wie Luxemburg hat die Versorgungssicherheit oberste Priorität: ArcelorMittal, der weltgrößte Stahlproduzent mit Sitz in Luxemburg, und Soteg, der nationale Gas- und Elektrizitätsversorger, haben gemeinsam mit Gazprom ein Kooperationsabkommen zum Bau eines 800MW Gaskraftwerkes in Eisenhüttenstadt unterschrieben, das 2010 mit der Produktion beginnen soll“, erklärt Pierre Mangers in seiner Rolle als Strategieberater und Direktor bei PricewaterhouseCoopers Luxemburg.

Auswirkung auf die Geschäftsmodelle der Energieversorgungsunternehmen?

Sinkende Netznutzungsentgelte bei steigenden regulatorischen Anforderungen werden den Wert der Stromnetze senken. Gleichzeitig werden die Netze effizienter bewirtschaftet. In diesem Kontext stellt sich die Frage wie die zukünftigen Eigentümerstrukturen und Wachstumsoptionen von Energieversorgungsunternehmen aussehen?


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