Wirtschaftskriminalität 2011 – Sicherheitslage in österreichischen Unternehmen

Autoren
Prof. Dr. jur. Kai Bussmann und Steffen Salvenmoser
Herausgeber
PwC Österreich in Zusammenarbeit mit der Martin-Luther Universtität Halle-Wittenberg
Bibliographie
Oktober 2011, 68 Seiten, DIN A4
Preis
kostenlos

Mehr Sicherheit für die heimischen Unternehmen – 10 Jahre PwC Forschung zur Wirtschaftskriminalität

Berichte zu Hinweisen, Verdachtsmomenten und konkreten Fällen von Wirtschaftskriminalität bestimmen seit Monaten die Medienberichterstattung in Österreich. Was aktuell ein Topthema in den heimischen Wirtschaftskreisen ist, ist seit Jahren Bestand der Forschungsarbeit von PwC. Seit 2001 ist PwC der Wirtschaftskriminalität auch in Österreich auf der Spur und führt regelmäßig Studien zu Risiken und Chancen von Unternehmen im Zusammenhang mit Wirtschaftskriminalität durch.

Zunehmend Licht ins Dunkel

Wirtschaftskriminalität steht auch dieses Jahr wieder ganz oben auf der Agenda von Unternehmen. Nahezu jedes zweite österreichische Unternehmen (47 %) berichtete über mindestens einen Schadensfall in den letzten zwei Jahren. Diesen Anstieg führt PwC in erster Linie darauf zurück, dass auch die Aufdeckungsrate steigt. „Das Problembewusstsein hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen, wie auch die Zahl der Kontroll- und Präventionsmaßnahmen.“, sagt Steffen Salvenmoser, Partner bei PwC Österreich im Bereich Forensic Services und Autor der Studie. 59 % der Unternehmen berichteten über mindestens einen Verdachtsfall. Berücksichtigen wir Mehrfachantworten erhöht sich somit die Zahl jener Unternehmen in Österreich, die durch Wirtschaftskriminalität vermutlich betroffenen sind auf 65 %.

Unternehmen erkennen die Gefahr

Alarmierend sind die Risikoeinschätzungen der Befragten. Beinahe jedes dritte Unternehmen geht davon aus, dass Korruption und wettbewerbswidrige Absprachen in Österreich häufig auf der Tagesordnung stehen. Jedes vierte vermutet beim Diebstahl vertraulicher Kunden- und Unternehmensdaten ein hohes Risiko. Auch die Höhe der finanziellen Schäden bleibt beachtlich: im Vergleich zur Studie 2007 ist im Durchschnitt der Unternehmen mehr als eine Verdoppelung der Schäden auf 1,90 Millionen Euro zu erkennen. Darüber hinaus verursacht Wirtschaftskriminalität nicht nur zusätzliche Managementkosten in der Höhe von 260.000 Euro, sondern auch indirekte Schäden. Diese sind zunehmend unkalkulierbar und schwerer beherrschbar geworden. Denn die Öffentlichkeit, die Medien, Nicht-Regierungsorganisationen und auch die Strafjustiz reagieren heute sehr viel empfindlicher auf Wirtschaftskriminalität.

Umdenken hat bereits begonnen

Innerhalb weniger Jahre hat die Wirtschaft begonnen umzudenken. Noch 2007 berichteten in Österreich nur 21 % der befragten Unternehmen, ein Anti-Korruptionsprogramm eingeführt zu haben. Heute sind es bereits mehr als die Hälfte (53 %). Allerdings befinden sich einige Programme noch in der Aufbauphase. Auch für Unternehmen, die in Wachstumsmärkten aktiv sind, ist ein solches Programm immer mehr selbstverständlich; 44 % verfügen auch in ihren Auslandsvertretungen über ein Anti-Korruptionsprogramm.

Compliance als Wettbewerbsvorteil

Compliance-Programme sorgen dafür, dass gesetzliche Normen im gesamten Unternehmen eingehalten werden. Im Unterschied zur internen Revision oder zum Controlling sind diese Maßnahmen in erster Linie vorbeugend eingesetzt. Fast jedes zweite Unternehmen (46 %) in Österreich berichtete, ein Compliance- Programm eingeführt zu haben. Manche befinden sich noch im Aufbau, aber der Trend ist unverkennbar.

Die Praxisberichte in der Studie veranschaulichen, dass es in allen Ländern der Welt durchaus möglich ist, integer zu bleiben und nicht in Korruptionssituationen verstrickt zu werden. Die Aussage, man könne in schwierigen Wachstumsmärkten nicht nur gute und „saubere“ Geschäfte machen, erweist sich als Vorurteil. Unternehmen haben vielmehr begonnen, Integrität als Wettbewerbsvorteil für sich zu sehen, und werben damit. 41 % der Unternehmen beurteilen das eigene Compliance-Programm überwiegend als vorteilhaft im innerösterreichischen Wettbewerb: 18 % erkennen darin sogar einen klaren Vorteil. Positive Erfahrungen mit Integritätsvereinbarungen überwogen auch auf Wachstumsmärkten.

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