Die Anzahl der Firmenübernahmen stieg im letzten Jahr zwar an, aufgrund der Finanzkrise sank jedoch der Wert der Transaktionen. Das zeigt die heute veröffentlichte PricewaterhouseCoopers-Studie „Power Deals – 2008 Annual Review“. Die jährlich erscheinende Analyse präsentiert die neuesten Trends im Energiesektor.
2008 zeigte eine restriktive Haltung der Unternehmen gegenüber hohen Akquisitionen. Die Anzahl der weltweiten M&A-Deals im Energiebereich verzeichnete im Vergleich zum Vorjahr einen Anstieg von 768 auf 954 und damit um 24%. Der gesamte Transaktionswert ging dabei aber von US $ 372,5 Mrd. in 2007 um 41% auf US $ 220 Mrd. in 2008 zurück.
In jedem der Hauptmärkte – Nordamerika, Europa und dem asiatisch-pazifischen Raum – stieg die Anzahl der Übernahmen gegenüber dem Vorjahr. Während beim Wert der Übernahmen
europäische Firmen führten, zeigte sich, dass die Anzahl der Deals weltweit gleichmäßig verteilt war: 35% in Europa; 29% im asiatisch-pazifischem Raum und 24% in Nordamerika. Der Trend
war in allen Regionen gleich: Eine hohe Anzahl von Deals bei gleichzeitig geringen Transaktionsvolumina.
“Die Finanzkrise, die wir seit 2007 sehen, hat die Konsolidierung der Branche eindeutig gebremst. Erst wenn wieder mehr Liquidität am Markt verfügbar ist, wird es wieder zu einem
Anstieg an Firmenübernahmen kommen. Es ist damit zu rechnen, dass sich der Trend erst nach 2010 umkehren wird“, erklärt Bernhard Haider, Partner bei PwC Österreich. Zwar gebe es
genug Pläne für eine Weiterführung der Konsolidierung, aufgrund der Marktsituation wurden jedoch viele zunächst einmal auf Eis gelegt. Insbesondere Energieversorger aus Europa haben
sehr konkrete Pläne für Übernahmen in Russland, aber auch im asiatischen Raum und zum Teil in Südamerika in der Schublade.
Die PwC Power Deals 2008 Studie identifiziert folgende Kerntrends:
Übernahmen im Bereich Atomenergie sorgen für Aufmerksamkeit
Atomkraft ist wieder im Kommen. Das zeigt das Rennen der „Big-Players“ um eine globale Positionierung für geplante Expansionen ganz deutlich. Sehr aktiv war Frankreichs EDF: Der Konzern ging in Großbritannien und den Vereinigten Staaten auf Akquisitionstour und erwarb Presseinformation
Vermögenswerte im Ausmaß von US $ 30 Mrd. Erreicht wurde das durch Deals mit British Energy und Constellation Energy. Auch setzte die Wiederbelebung der Atomkraft eine Vielzahl
von Joint Ventures zwischen Energieversorgern, Atomkrafterzeuger und Bauunternehmen in Gang.
Gas-Player warten ab
Bemerkenswert war der Rückgang von Beteiligungen im Gasmarkt. Die Geschäfte in diesem Bereich umfassten nur 11,6% aller Deals und gerade einmal 7% der gesamten
Transaktionswerte. Die starke Zurückhaltung von Firmen im Gasmarkt zeigte sich eindrucksvoll anhand der Ablehnung eines US $ 13,3 Mrd. Übernahmeangebots der englischen BG Group an
Origin Energy.
Die Kernmärkte
Nordamerika: Fehlende Mega-Deals
Während die Anzahl der Bieter in Nordamerika um 58% stieg, fiel der Gesamtwert der Transaktionen um 54% von US $ 87,5 Mrd auf US $ 40 Mrd. Hauptsächlich lag das am Mangel an Mega-Deals in der Größenordnung von Kinder Morgan (US $ 21,6 Mrd.) oder TXU (US $ 43,8 Mrd.). Abgesehen von diesen beiden Mega-Deals im Vorjahr war die Bieteraktivität in Nordamerika 2008 ähnlich intensiv wie in den Jahren zuvor: US $ 32,9 Mrd. im Jahr 2006, US $ 43,7 Mrd. 2007 und US $ 40 Mrd. 2008.
Europa: Die Region mit den meisten Deals
Europa konnte im Jahr 2008 die meisten Abschlüsse für sich verbuchen. Mehr als die Hälfte der weltweiten Deals fanden in Europa statt: 58% der Bieter und 53% der Käufer kamen aus dem europäischen Raum. Interessant ist auch, dass von den insgesamt 283 Transaktionen in Europa 120 im Bereich der Renewables durchgeführt wurden. Die Bedeutung von europäischen Firmenübernahmen im Energiesektor zeigte sich durch die Beteiligung europäischer Firmen bei den großen Deals. Sechs der zehn größten Abschlüsse und 45% aller Deals über US $ 1 Mrd. gingen auf das Konto europäischer Bieter.
Asiatisch-pazifischer Raum
Der gesamte Transaktionswert im asiatisch-pazifischen Raum umfasste 2008 knapp US $ 25,9
Mrd. und ging damit um 49% gegenüber dem Vorjahr zurück, im Jahr 2007 waren es noch US $ 50,4 Mrd. Die Bieteraktivität in dieser Region war ebenfalls gering: Umfassten die Angebote
2007 noch US $ 47,6 Mrd. waren es 2008 nur noch US $ 27,4 Mrd.. Das entspricht einem Rückgang von 42%. Der überwiegende Anteil dabei entfiel auf Unternehmen im Stromsektor.
Wie auch in anderen Regionen hielten sich Gasunternehmen zurück. Der Wert der Übernahmen stürzte in Australien von US $ 19 Mrd. 2007 (37.7% des gesamten asiatischpazifischen
Volumens) auf knapp US $ 1,75 Mrd. (6,7 % des gesamten asiatisch-pazifischen Volumens) im Jahr 2008 ab. Die Mehrheit der Deals, mit einem Volumen von US $ 9,8 Mrd. und
somit einem Anteil von 35%, kam von chinesischen und japanischen Bietern.
Die Studie kann kostenlos bei Daniela Schmid (E: daniela.schmid@at.pwc.com; Tel.: 01 / 50188-5107) bezogen oder unter