Der Energieversorgungssektor steht derzeit vor einer doppelten Herausforderung: Während kurzfristig auch die Energiebranche von der wirtschaftlichen Entwicklung betroffen ist, stehen bereits heute zahlreiche langfristige Investitionen an, um die Energieversorgung auch nach der Krise sichern zu können. Der künftige Energiebedarf, die gesicherte Versorgung aber auch der Klimawandel fordern den Energieversorgungssektor massiv. Das bestätigt die jüngste Erhebung von PricewaterhouseCoopers – die 2009 Utilities Global Survey ‚A World beyond Recession’. PwC hat dazu 65 führende Unternehmen der Energiewirtschaft in 39 Ländern der Welt befragt. Die wichtigsten Ergebnisse kurz zusammengefasst:
- Investitionen in die Infrastruktur haben nach wie vor höchste Priorität
Die Erschließung von neuen Kraftwerkskapazitäten und die Erneuerung von bestehenden Anlagen hat für die Mehrzahl der befragten Unternehmen höchste Dringlichkeit. 83% der befragten Unternehmen planen mittlere bis große Investitionen in neue Anlagen, 79% in neue Leitungen.
- Sorgen um Finanzierungsengpässe gehören zum Alltag
Unter den Befragten herrscht enormer Zweifel, ob die notwendigen langfristigen Investitionen mit dem steigenden Stromverbrauch aber auch Klimawandel Schritt halten. Zwei Drittel (67%) der befragten Manager bestätigen, dass Finanzierungsengpässe schon heute einen hohen oder sogar sehr hohen Einfluss auf die Projektentwicklung haben. Zwei Drittel gaben an, dass eine nicht gesicherte Finanzierung bereits eine mittlere bis hohe Barriere bei neuen Projekten darstellt.
- Wirtschaftliche Anreize sind zur Ankurbelung von erneuerbarer Energieerzeugung unumgänglich
Rund 60% der Befragten gaben an, dass ihre Investitionsprogramme in erneuerbare Energie durch fehlende Ziele einzelner Regierungen und wirtschaftliche Förderungen gefährdet sind. Nur 28% glauben, dass nach einer Hochpreis-Phase nichtgestützter Ökostrom mit fossiler Stromerzeugung wirtschaftlich mithalten kann.
- Befürchtungen verdichten sich, dass die Klimaziele kippen könnten
Die befragten
Energieversorger betonen dieses Jahr die Notwendigkeit von klaren Regierungs-Vorgaben zur Erreichung der Klimaschutzziele. Gleichzeitig klingt bei 79% der Befragten die Befürchtung durch, dass es auf Grund der Wirtschaftskrise zu einer Reduktion der Maßnahmen gegen den Klimawandel kommen könnte. Zwei Drittel davon sehen schon jetzt einen besonders hohen Bremseffekt durch die Wirtschaftskrise.
Technische Innovationen sind ein Schlüssel für die künftige Entwicklung
Neben diesen Faktoren betont die Studie die Bedeutung von technischer Innovation für die
künftige Entwicklung der Branche. Diese Innovationen werden von den Befragten als wichtigster Schlüssel für Energieeffizienz, Photovoltaik, Kraft-Wärme-Kopplung, dezentrale Energieerzeugung und erneuerbare Energieerzeugung gesehen. Als zentraler Beitrag der Branche zur langfristigen Verringerung des Klimawandels wird CO2-Abscheidung und Speicherung (CCS) genannt. 83% der europäischen Energieversorger bestätigen, dass sie bereits CCS Projekte evaluieren. Darüber hinaus wird Technologie so zentral eingestuft, dass die Energieversorger bereits jetzt mit Problemen bei Technologie- und Equipment-Zulieferer konfrontiert sind.
„Der Schlüssel zum Erfolg liegt im kommenden Jahrzehnt ganz eindeutig in technischer Innovation. Trotz der aktuellen Wirtschaftskrise müssen sich Energieversorger, die künftige wachsen wollen, mit CO2-Emissioen, aber höheren Stromverbrauch einstellen. Dafür bedarf es mutiger neuer Strategien und Investitionen“, analysiert Bernhard Haider, Partner bei PwC Österreich, die Ergebnisse der Studie.
„Es wird immer offensichtlicher, dass nicht schnell genug in alternative Energiequellen investiert werden kann, um den Anteil der fossilen Energieträger zu reduzieren. Daher wird wahrscheinlich die CO2-Abscheidung und Speicherung (CCS) in Kohlekraftwerken die wichtigste Einzelmaßnahmen der nächsten Jahre im Energiebereich darstellen. Wie bei der erneuerbaren Energie wird es auch hier starke wirtschaftliche Anreize und Preissignale geben müssen“, so Erwin Smole, Director bei PwC Österreich.
Neben den Investitionen in die CO2-Abscheidung und Speicherung hebt die Studie zudem weitere zentrale Entwicklungen bei den befragten Unternehmen hervor:
- Einen steigenden Trend zur Sicherung der Gaslieferung und Investitionen in Flüssigerdgas (LNG);
- Eine horizontale Expansion um die Position im Bereich der erneuerbaren Energie und der Nuklearenergie zu stärken;
- Die Schaffung technischer Möglichkeiten um neue Formen der Stromerzeugung zu erforschen;
- Die Entwicklung einer flexibleren Kombination von dezentraler Energieerzeugung und intelligenten Stromnetzen (smart grids);
„Traditionelle Arbeitsbereiche im Energiebereich werden immer mehr durch neue, weiterreichendere Aufgaben von Energieversorgern verändert. Schon heute prüfen Energieversorger zum Beispiel das Potential von eigenen Ladestations-Netzwerken für Elektrofahrzeuge. Gleichzeitig werden Übernacht-Ladevorgänge angedacht, die die Nutzung der vorhandenen Kapazitäten außerhalb der Kernzeiten besser erschließen“, beschreibt Erwin Smole aktuelle Entwicklungen bei Energieversorgern. „Auch die Entwicklung von CCS wird neue Allianzen zwischen Energieversorgern und Öl-Gesellschaften notwendig machen, um so eine optimale unterirdische Kohlenstofflagerung zu garantieren. Die First- oder Early-Mover bei der Entwicklung von geeigneter Technologie in diesem Bereich werden einen enormen Wettbewerbsvorteil in den kommenden Jahren haben.“
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