PricewaterhouseCoopers und UNODC: Gemeinsam gegen Korruption.

„Anti-Corruption Policies and Measures of the Fortune Global 500.”

Mehrere Fälle in den letzten Jahren haben dazu beigetragen, dass Anti-Korruptionsmaßnahmen von entscheidender strategischer Bedeutung für Unternehmen werden. PricewaterhouseCoopers hat daher gemeinsam mit dem United Nations Office on Drugs and Crime eine Partnerschaftserklärung gegen Korruption unterzeichnet, deren erste Maßnahme die Veröffentlichung eines „Global Compendium of Good Practices“ ist. Die Experten von PricewaterhouseCoopers und UNODC haben als Grundlage des Compendiums die Fortune 500 hinsichtlich ihrer veröffentlichten Anti-Korruptionsstrategie sowie konkreter Maßnahmen in diesem Bereich untersucht. Die Studie wird am 17. September 2009 erstmals in Wien präsentiert.

UNODC & PwC „Compendium on Corporate Behavior“

Während der dritten Tagung des UN Global Compact im Februar 2008 im VCI diskutierten Vertreter von verschiedenen namhaften Unternehmen, Botschafter der Vereinten Nationen und Vertreter von PricewaterhouseCoopers Österreich (PwC) bei einem informellen Treffen die Idee, bestehende Korruptionsmaßnahmen großer Unternehmen weltweit zu sammeln und zu analysieren. Ziel dieser Idee war – unter Einbindung verschiedener zwischenstaatlicher Organisationen – einen gemeinsamen, international anerkannten Verhaltenskodex zu generieren, der allen Unternehmen helfen soll, geeignete und ausreichende Anti-Korruptionsstandards zu implementieren. Die steigende Aufmerksamkeit dem Thema gegenüber bietet auch Anlass, den Geltungsbereich dauerhaft auch auf öffentliche Stellen auszuweiten.

Da PwC Österreich in dieser Hinsicht auf weitreichende Expertise und Projekterfahrung zurückgreifen konnte, wurde nur wenige Monate später gemeinsam mit der United Nations Office on Drugs and Crime (UNODC) ein Projekt skizziert, wie diese Idee in die Praxis umgesetzt werden könnte. In einem ersten Schritt wurde entschieden, eine groß angelegte Untersuchung der 500 umsatzstärksten Unternehmen der Welt, gelistet im Fortune Global 500 Index, zu starten. Es galt herauszufinden, in welchem Ausmaß diese Unternehmen bereit waren, die eigenen Anti-Korruptionsmaßnahmen öffentlich, in diesem Fall über das Internet, zugänglich zu machen. Das Ergebnis dieser umfangreichen Datensammlung liegt jetzt in Form eines fünfteiligen Kompendiums vor.

Schmiergelder, Geldwäsche und mehr

Abseits von Korruption und Bestechung wurden auch Schmiergeld („kickbacks“), unsachgemäße bzw. illegale Zahlungsströme miteingebunden und die für Finanzinstitute so wichtigen Begriffe Geldwäsche und Unterbindung der Finanzierung von terroristischen Organisationen berücksichtigt.

Antikorruptions-Frühwarnsystem

Weiteres Kernthema sind direkte Maßnahmen, die Korruption im Ansatz verhindern sollen.. Viele Unternehmen haben hier sehr strikte Regelungen z.B. betreffend Geschenkannahmen, eine der einfachsten Anlaufstellen für versuchte Korruption.

Verhaltenskodex, Ethikcode öder Ähnliches

Ein weiteres Augenmerk der Analyse liegt auf verschiedenen Möglichkeiten, Korruption zu unterbinden und auf den agierenden Personen, die hierfür die Verantwortung tragen. Fast jedes Unternehmen hat einen Verhaltenskodex oder Ethikcode, der genau vorgibt, wann spezifisches Handeln den Rechtsrahmen verlässt. Hinter dem Verfassen, der Einführung und der Kontrolle dieser Kodizes stehen sogenannte Richtlininebauftragte (im engl. „Compliance Officers“), die in diesem Bereich die Verantwortung tragen.

Das vorliegende, fast 1.200 Seiten umfassende Kompendium ist das erste seiner Art und soll als Inspiration dienen. Es dient nicht als Kommentar der jeweiligen Anti-Korruptionsmaßnahmen der jeweiligen Firmen. Trotz höchster angewandter Sorgfalt kann keine Erklärung auf Vollständigkeit sowie Richtigkeit der recherchierten Daten abgegeben werden.

Ergebnisse der Zusammenfassung

Basierend auf den Informationen, welche die Unternehmen auf ihrer Homepage zu veröffentlichen, lassen sich erste Erkenntnisse gewinnen.

Eine überwältigende Mehrheit der in den Fortune Global 500 vertretenen Unternehmen berichten zumindest zu einem gewissen Ausmaß über bestehende, interne Anti-Korruptionsmaßnahmen. Die Tiefe, in der berichtet wird, variiert von rein oberflächlichen Betrachtungsweisen bis hin zu expliziten, bis ins Detail genannten Maßnahmen. Weiters lassen sich geographische und damit auch kulturelle Unterschiede feststellen, ob und in welchem Ausmaß über Anti-Korruptionsmaßnahmen berichtet wird.

Sich gegen Korruption (besser) schützen

Eine stetig steigende Anzahl von Unternehmen sah sich in den letzten Jahren dazu veranlasst, sich gegen Korruption (besser) zu schützen. Sei es, um Korruption innerhalb des Unternehmens vorzubeugen, sei es, um sich gegen ungerechtfertigte Benachteiligungen bei z.B. Auftragsvergaben zu schützen.

Unternehmen, die in den letzten Jahren in schwerwiegende Korruptionsfälle verwickelt wurden, erlitten nicht nur einen kaum bezifferbaren Imageverlust, noch schwerwiegender wurden sie teilweise von Auftragsvergaben, insbesondere durch die öffentliche Hand, ausgeschlossen.

Um gegen solche Fälle entsprechend gewappnet zu sein, begannen viele Unternehmen – ohne auf verbindliche Richtlinien zurückgreifen zu können – eigene Anti-Korruptionsmaßnahmen zu installieren.

Nicht neu aber steigend

Korruption ist kein neues Phänomen. Korruption existiert seit Anbeginn der Zivilisation. Immer schon wurde versucht, die eigenen Vorteile auf Kosten anderer mit unlauteren Mitteln zu maximieren. Mit dem Fortschritt von Zivilisation, Handel und gesellschaftlichen Aspekten entwickelte sich auch der Begriff Korruption stetig weiter und wächst nach wie vor in Inhalt und Bedeutung.

Wir können allerdings beobachten, dass die Wirtschaftskrise auch mehr Wirtschaftskriminalität mit sich bringt. Die Zahl der Aufträge zur Vorbeugung oder Aufklärung von Korruption, Bestechung, Geheimnisverrat oder Untreue in Firmen hat sich innerhalb von einem Jahr verdreifacht.

Für den Anstieg sind vor allem drei Faktoren ausschlaggebend:

  • der gestiegene weltweite Wettbewerbs- und Konkurrenzdruck,
  • eine höhere Anfälligkeit der Unternehmen durch Internationalisierung des Geschäfts und
  • ein Sinken von Hemmschwellen durch schwaches Vorbildverhalten der Manager.

Die vielleicht wichtigste Fragestellung war daher für PricewaterhouseCoopers (PwC), mit welchen Teilaspekten des sehr weit gefassten Begriffes Korruption sich die verschiedenen Unternehmen konfrontiert sahen und wo PwC – für diese Studie – eine Begriffsabgrenzung vornehmen musste. Abseits von den bekannten Begriffen wie Korruption und Bestechung wurden auch die Themen Schmiergeld („kickbacks“), unsachgemäße bzw. illegale Zahlungsströme aufgegriffen und in diesem Zusammenhang – besonders bei Finanzinstituten – Geldwäsche und Unterbindung der Finanzierung von terroristischen Organisationen erwähnt.

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