Pressemitteilung
15. Dezember 2005
- Mindestens jedes zweite österreichische Unternehmen ist Opfer von Wirtschaftskriminalität – Mehr als doppelt so viele Betroffene wie vor vier Jahren
- Insb. Unterschlagungen und Diebstähle nehmen zu (76 % der Fälle)
- Hoher finanzieller Schaden geht mit ernsthaftem Image-Schaden einher
- Der Täter kommt meist aus den eigenen Reihen (60 % der Fälle)
Die alle zwei Jahre von PricewaterhouseCoopers weltweit durchgeführte „Economic Crime Survey“ zeigt auch für Österreich eine Reihe von interessanten Ergebnissen: So gaben 45 % der befragten, repräsentativ ausgewählten Führungskräfte an, dass ihr Unternehmen innerhalb der vergangenen zwei Jahre Opfer von Wirtschaftskriminalität geworden sei – und das oft mehrfach. Dies liegt im internationalen Durchschnitt und bedeutet nur einen leichten Anstieg im Vergleich zum Jahr 2003 (43 %). Betrachtet man allerdings einen etwas längeren Zeitraum, so zeigt sich ein dramatischer Zuwachs im Vergleich zum Jahr 2001, als der Wert noch bei 20 % lag. „Diese Entwicklung ist nicht zwingend auf einen tatsächlichen Anstieg der Kriminalität zurück zu führen, sondern auch Ausdruck einer allgemein höheren Sensibilisierung und einer geringeren Toleranz für Graubereiche im Wirtschaftsleben“, meint Friedrich Rödler, Senior Partner von PricewaterhouseCoopers Österreich.
Veruntreuungen, Diebstähle und Unterschlagungen sind mit 76% die in Österreich mit Abstand am häufigsten entdeckten Delikte – ein Wert, der sowohl im internationalen Vergleich (62 %) als auch im Vergleich zum Jahr 2003 (50 %) erschreckend hoch ist. Produktpiraterie und Industriespionage sind mit bereits 30 % im Vormarsch (2003: 25 %), während das international „beliebte“ Bilanzfälschen in heimischen Unternehmen eine untergeordnete Rolle spielt (9 % im Vergleich zu 22 % im westeuropäischen Schnitt).
Wer den Schaden hat, hat auch den Spott …
In 14 % der Fälle geht der finanzielle Schaden in die Millionen. Meistens (69 %) jedoch liegt er nach Angaben der Befragten zwischen EUR 10.000,-- und EUR 250.000,--. Die wenigsten Unternehmen sind offenbar ausreichend versichert; meistens bleiben sie auf ihrem Schaden sitzen. Da es gerade in Österreich kaum gelingt, den Schaden geheim zu halten (nur 13 % der Fälle dringen nicht nach außen), beschreiben österreichische Unternehmen auch den entstehenden Image-Schaden überdurchschnittlich oft als ernst bzw. sehr ernst (33 %).
„Gelegenheit macht Diebe“:
60 % der – fast durchwegs männlichen – Täter kommen aus den eigenen Reihen
Der Anteil der eigenen Mitarbeiter unter den Tätern liegt in Österreich mit 60 % weit über dem weltweiten Durchschnitt (50 %). Die Täter sind zumeist unauffällig: Männer (93%), im mittleren oder Top-Management (64%), im mittleren Alter und gebildet. Drei Faktoren treffen oft zusammen, die aus Mitarbeitern Täter machen: eine günstige Gelegenheit mangels ausreichender interner Kontrollen, die Motivation des Täters, seinen zumeist aufwendigen Lebensstil durch das Delikt zu finanzieren und das fehlende Bewusstsein, Unrecht zu tun.
Spezialfall Österreich: Interne Täter – interne Aufdecker
Im Gegensatz zum weltweiten Schnitt (17%) werden in Österreich nur 4 % der Straftaten von Personen begangen, die keinerlei Bezug zum geschädigten Unternehmen haben. Ebenso sind es in Österreich überdurchschnittlich oft interne Hinweise, die zur Überführung des Täters führen (49 % im Vergleich zu weltweit 17 %).
Der Abschlussprüfer ist nicht Aufdecker
Entgegen der oft feststellbaren allgemeinen Erwartungshaltung spielt der Abschlussprüfer bei der Aufdeckung von Wirtschaftsdelikten keine nennenswerte Rolle: Er prüft die Darstellung der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage im Jahresabschluss, durchsucht aber nicht das gesamte Unternehmen nach möglichen kriminellen Vorkommnissen. „Dagegen kann der forensisch spezialisierte Wirtschaftsprüfer wertvolle Ratschläge zur Vorbeugung gegen Wirtschaftskriminalität geben“, ergänzt Christine Catasta, die Leiterin des Bereiches Wirtschaftsberatung bei PricewaterhouseCoopers Österreich.
Jeder zehnte Täter kommt ungestraft davon
Werden in Österreich zwar 93 % der Delikte intern untersucht und in 70 % der Fälle die Strafverfolgungsbehörden eingeschaltet – Verurteilungsquote 40 % -, so bleiben doch 11 % der intern festgestellten Delikte ohne jede Konsequenz für den Täter. „Wenn bei den Mitarbeitern der Eindruck entsteht, dass das Unternehmen bei Unregelmäßigkeiten mindestens ein Auge zudrückt, prägt dies die Unternehmenskultur nachhaltig und bereitet den Boden für weitere Delikte“, warnt Dorotea Rebmann, Forensic Accounting-Spezialistin bei PricewaterhouseCoopers in Österreich.
Trotz anders lautender Zahlen: Österreichs Unternehmen fühlen sich sicher
Wenn es um die Bereitschaft geht, künftig in zusätzliche Maßnahmen gegen Wirtschaftskriminalität zu investieren, so geben sich die heimischen Führungskräfte zurückhaltend: „Nur 23 % der Befragten halten es für wahrscheinlich, in den kommenden fünf Jahren Opfer von Wirtschaftskriminalität zu werden – die Ergebnisse der Economic Crime Survey sprechen allerdings eine deutlich andere Sprache“, so Rebmann.
Details zur Umfrage
Die dritte PwC Economic Crime Survey (GECS 05) wurde im Auftrag von PwC und der Universität Halle-Wittenberg von TNS Emnid erhoben. Von Mai bis September 2005 wurden in Österreich 75 computerunterstützte Interviews mit Führungskräften durchgeführt, die sich in ihrem Unternehmen für den Themenbereich Kriminalprävention und –aufklärung zuständig erklärten.
Weltweit wurden 3.634 Befragungen in 32 Ländern durchgeführt, davon über 1.700 in Westeuropa, und so aktuelle Daten über Ursachen und Folgen von Wirtschaftskriminalität gewonnen.
40% der Gesprächspartner in Österreich waren Mitglieder der Geschäftsleitung des jeweiligen Unternehmens. 48% der Unternehmen haben in Österreich zwischen 200 und 1.000 Mitarbeitern, 33% zwischen 1.000 und 5.000 Mitarbeitern.
Zu PricewaterhouseCoopers
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