Pressemitteilung
24. Februar 2004


Mit der Veröffentlichung des neuesten International Financial Reporting Standard - IFRS 2, Share-based Payments – wird in Zukunft eine Bewertung und der Ansatz von Aufwendungen für kursorientierte Entlohnung in der Gewinn- und Verlustrechung verlangt. Bisher reichten nach IFRS Angaben über die Art des Stock-Option-Plans und dessen Bedingungen aus; die Bilanzierung erfolgte auf freiwilliger Basis und bewirkte infolgedessen selten eine Auswirkung in der Gewinn- und Verlustrechnung (GuV).

Dr. Aslan Milla, Partner bei PricewaterhouseCoopers:
“Wir sind der Meinung, dass eine einheitliche Vorgehensweise bei der Erfassung und Bilanzierung von Aktienoptionen sinnvoll ist. Wenn in Zukunft für aktienorientierte Vergütungen ein Aufwand in der GuV zu zeigen ist, dann erhöht das die Transparenz und Unterschiede zwischen Unternehmen, die Stock Options vielseitig einsetzen und anderen, die keine Optionen gewähren werden, sichtbar. Das ist derzeit nicht der Fall.

IFRS-bilanzierende Unternehmen mit Stock-Option-Plänen müssen sich zunächst über die Anforderungen des neuen Standards Klarheit verschaffen. Die Implementierung des Standards wird sich vor allem bei Optionsplänen, die individuelle Leistungskomponenten beinhalten – wie beispielsweise oft bei Vorständen der Fall – besonders komplex gestalten. Im nächsten Schritt müssen Daten gesammelt und die erforderlichen Bewertungen durchgeführt werden. Eine besonders wichtige Aufgabe hat das Management in Richtung Kommunikation und Information an den Kapitalmarkt, damit auch die Außenwelt wirklich versteht, was sich hinter dem Aufwandsposten verbirgt. Das wird bei der Implementierung sicher ein kritischer Erfolgsfaktor sein.” Analysten werden sich jedenfalls für die Beträge, die in der Gewinn- und Verlustrechnung aufscheinen, brennend interessieren. Unternehmen sollten rasch handeln, um die Auswirkungen des Standards bereits vor seiner Implementierung am 1. Jänner 2005 abschätzen zu können.

Einige Unternehmen äußern schon seit Beginn der Erarbeitung des neuen Standards durch den IASB (International Accounting Standard Board) Bedenken, dass er zu erheblichen Schwankungen im jährlichen Aufwandsposten führen kann.

Ian Wright, Global Corporate Reporting Leader bei PricewaterhouseCoopers:
“Bedenken von Unternehmen bezüglich des nicht unwesentlichen Schwankungspotentials im jährlichen Aufwand sind möglicherweise übertrieben. Mit der Einführung des neuen Standards werden Stock Options für Mitarbeiter zum Gewährungstag bewertet. Der Aufwand wird über die Laufzeit verteilt. Erhebliche Schwankungen von Jahr zu Jahr werden nur dann vorkommen, wenn die Optionspläne selbst wesentlich geändert werden, bzw. wenn Ansprüche in Form einer Barausgleichszahlung abgegolten werden.
Die Unternehmen sollten jedenfalls die Gestaltung ihrer derzeitigen Vergütungssysteme für Mitarbeiter und andere Stakeholder kritisch überprüfen.”

Der neue Standard wirkt sich nicht nur auf Unternehmen aus, die nach IFRS bilanzieren – er könnte auch bei US-Konzernen hohe Wellen schlagen. Der Financial Accounting Standards Board – das Gegenstück zum IASB in den USA – wird voraussichtlich ähnliche Vorschläge für die Überarbeitung ihres Standards über kursorientierte Entlohnung bringen, und das könnte wesentliche Folgen für US-Firmen haben, da viele derzeit nur den inneren Wert rechnen und damit keine aufwandsmäßige Bilanzierung ausweisen.

Dr. Aslan Milla meint dazu:
“Diese Entwicklung zeigt deutlich, dass die zwei wichtigsten Standard-Setter vernetzt denken und gemeinsam den Ton angeben können. Europäische Firmen erwarten eine entsprechende Reaktion der US-Kapitalmärkte entgegen: Eine Marktakzeptanz in den USA für diese neuen IFRS-Regeln wäre ein wesentlicher Beitrag zur Konvergenz der internationalen Standards und US GAAP.
Die Veröffentlichung von IFRS 2 ist in diesem Sinn ein wichtiger Schritt zur Vervollständigung der gültigen Standards für alle Unternehmen, die IFRS ab 2005 anwenden, und bringt die Kapitalmärkte näher an einer globalen Sprache der Rechnungslegung heran.”

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Download: Der neue IFRS-Standard über Share-based Payment (aktienorientierte Entlohnung) bedeutet wesentliche Änderung für Unternehmen (91 KB)