Bereits zum neunten Mal veröffentlicht PricewaterhouseCoopers heuer seine jährliche Utilities Global Survey.
Für die Studie „Energy and efficiency: the changing power climate. Utilities Global Survey 2007“ hat PricewaterhouseCoopers im Jänner und Februar 2007 119 Topmanager aus 114 Energieversorgungs-Unternehmen in 44 Staaten zu ihrer Einschätzung der zukünftigen Entwicklungen auf dem Energiesektor befragt. Die Utilities Global Survey wurde heuer bereits zum neunten Mal von PwC durchgeführt und bietet von Jahr zu Jahr einen Überblick über die Erwartungen der relevanten Entscheidungsträger. Neben einer Analyse der globalen Trends bietet die Studie detaillierte Analysen der vier Großregionen Europa, Nord-, Mittel- und Südamerika, Asien-Pazifik-Region sowie Mittlerer Osten und Afrika. Gesonderte „Schnappschüsse“ gibt es von den sogenannten BRIC-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China. Außerdem gibt die Studie erstmals einen Überblick über die Tendenzen in den energieintensiven Branchen Papier, Chemie und Metall.
Kernaussage: Paradigmenwechsel im Denken der Energieversorger – Nachhaltigkeit ist erstmals Priorität.
Schon seit längerem ist sich der Energiesektor der Herausforderungen bewusst, die der Klimawandel ihn in den kommenden Jahrzehnten mit sich bringen wird. Das zeigte nicht zuletzt „The Big Leap“, die Utilities Global Survey 2006. Konkrete Reaktionen oder Lösungsstrategien aber blieben bislang aus. Das hat sich nun geändert: Die vorliegende Studie berichtet von einem massiven Interesse der Energieversorger an Effizienzsteigerung sowie erneuerbaren Energien und Kernenergie. Aufgrund der hohen Kosten für CO2 sind die Energieversorger erstmals bereit, gemeinsam mit Regierungen und Konsumenten in die Effizienzsteigerung zu investieren. Vor allem neue Technologien sollen hier Fortschritte bringen.
Erneuerbare Energie und Energie-effizienz ganz oben auf der Agenda
Die Erschließung erneuerbarer Energieformen hat 2007 in den drei größten Energiemärkten – Nordamerika, Europa und Asien-Pazifik-Region – noch vor Fragen der Versorgungssicherheit höchste Priorität. Dieses Umdenken ist die Folge der zunehmenden Auswirkungen des Klimawandels und vor allem eines veritablen Gesinnungswandels in den USA. Dass es dann auch die USA sind, wo die meisten Energieversorger die Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt rücken, hat mehrere Gründe: Das kalifornische Klima-schutzgesetz, der Machtwechsel im Kongress und Präsident Bushs Zugeständnisse an die „ernste Herausforderung des globalen Klimawandels“ sind besonders hervorzuheben. Dazu Bernhard Haider, Partner bei PwC Österreich: „Europa steht noch immer vor dem Problem, dass konventionelle Kraftwerke schwer umzusetzen sind, und investiert vermehrt in erneuerbare Energieträger, um die Verbrauchssteigerung so zu decken“
Windenergie und Kernkraft werden massiv zunehmen – Kohle und Gas verlieren im Vergleich an Bedeutung
2004 waren erneuerbare Energieformen nur an sechster Stelle in ihrer Bedeutung für die Energie-versorger – heute sind sie auf Platz eins. Die Zahl der Top-Energiemanager, die Windenergie und Kernkraft als Wachstumssektoren ansehen, hat sich seit 2006 mehr als verdoppelt, und die Erwartungen für die zukünftige Rolle der Windenergie übersteigen bereits diejenigen für Kohle und Gas. Diese Entwicklung geht mit der Erwartung einher, dass technologische Entwicklungen die Rolle von Wind- und Kernkraft exponentiell steigern werden. Besonders in den USA wird auch die politische Forderung nach techno-logischen Antworten auf den Klimawandel die Energieversorger in ihren Entscheidungen beeinflussen.
Saubere Kohlekraftwerke sind ein Langzeitprojekt
Auch in Hinblick auf den Treibhauseffekt erachten die Energieversorger Kernkraft, erneuerbare Energie und Energieeffizienz als die drei wichtigsten Lösungen. Für Technologien wie „Clean Coal“ rechnet man mit einem wirtschaftlichen Einsatz ab Mitte des 21. Jahrhunderts. Da derzeit 64 % der weltweiten Energieproduktion aus fossilen Brennstoffen erzeugt werden, besteht hier enormes Potential für die Einsparung von Kohlendioxidemissionen. Seiner Verwirklichung stehen jedoch noch immer technologische und finanzielle Hürden im Weg.
Endlich angekommen im Zeitalter der Energieeffizienz?
Die geschärfte Wahrnehmung des Klimawandels verleiht dem Bestreben nach größerer Energieeffizienz eine bislang ungekannte Dringlichkeit. Nun stellt sich die Frage: Wo sollen die Einsparungen erfolgen? Dazu Erwin Smole, Senior Manager und Energie-Experte bei PwC Österreich: „Hier sehen die Energieversorger die Verantwortlichkeit vor allem bei den Endverbrauchern, und hier wiederum besonders bei den Haushalten, da diese von den potentiellen Einsparungen auch am meisten profitieren würden. Damit verbundenes Dilemma: Wenn die Haushalte Energie einsparen, verdienen die Energieunternehmen weniger. Eine mögliche Lösung ist das sogenannte „Decoupling“, also die Entkoppelung von Verkaufsvolumen und Unternehmensgewinnen.“
In jedem Fall investieren die Energieversorger in die Effizienzsteigerung in allen Abschnitten der Wertschöpfungskette. Am größten ist dieser Investitionswille in den USA.
Größtes Sorgenkind noch immer die Versorgungssicherheit
Einen immer größeren Stellenwert nimmt die Versorgungssicherheit im Denken der Energie-Topmanager ein. Vielfach reagieren Unternehmen auf das erhöhte Versorgungsrisiko mit langfristigen Verträgen und mit der Optimierung des Beschaffungswesens. Ein Drittel der Befragten kauft sich in vorgelagerte Abschnitte der Wertschöpfungskette ein, und ein Viertel sieht sich nach Brennstoffen aus neuen Regionen um.
Boom bei M&A: Anstieg um 52 % auf 300 Milliarden USD Dealvolumen weltweit
Der Gesamtwert der Deals auf dem Energiesektor betrug 2006 weltweit knapp 300 Milliarden USD – das ist ein Anstieg um sage und schreibe 52 % Prozent gegenüber 2005, das seinerseits schon ein Rekordjahr war. Der Großteil der Deals ging in Europa über die Bühne, wo sich die Energieversorger vor der Vollendung der Marktliberalisierung im Juli 2007 noch bevorzugte Marktpositionen sichern wollen, um so von einer überregionalen Warte aus den Markt dominieren und sich gegen feindliche Übernahmen absichern zu können.
Das Rennen um die besten Mitarbeiter hat begonnen
Die Energie-Deals der vergangenen Jahre waren zumeist vom Wunsch der Unternehmen motiviert, an Größe zu gewinnen, eine ausgewogene Produktpalette aufzubauen oder den Kundenkreis zu erweitern. 2007 ist ein jedoch ein neuer zentraler Deal-Motor hinzugekommen: Die Hälfte der Energieversorger geben 2007 den Bedarf nach kompetentem Personal als einen zentralen Beweggrund für ihre M&A-Aktivitäten an. Dazu Erwin Smole: „Je mehr in Infrastruktur, neue Technologien und größere Kapazitäten investiert wird, umso schneller steigt der Bedarf nach gut ausgebildetem Personal. Dabei ist es egal, ob in Kraftwerke oder Netze investiert wird – ausgebildetes Personal ist Mangelware, auch in Österreich.“
Energieintensive Branchen: Trend zur Unabhängigkeit
Energieintensive Branchen wie Metall, Chemie und Papier versuchen zunehmend, sich selbst mit Energie zu versorgen, um so ihre Abhängigkeit von volatilen Energiepreisen zu verringern. Alle sind zudem um die Erhöhung ihrer Energieeffizienz bemüht. Zu diesem Zweck investieren sie in ihre eigene Energieerzeugung vorrangig in erneuerbarer Energie und ziehen die Verlagerung in weniger energiekostenintensive Regionen in Betracht. Außerdem sind die befragten Branchenvertreter der Ansicht, dass die Versorger ihre Preise besser an die Bedürfnisse der Großverbraucher anpassen könnten.
Ausblick: Die Änderung des Energie-Mix wird noch Jahre dauern. Der Trend zu Deals und Umstrukturierungen wird anhalten.
Wie stark und wann die Gezeitenwende im Denken der weltweiten Energieversorger sich auch in Form realer Verlagerungen im Energie-Mix auswirken wird, hängt von den zukünftigen Investitionsmustern ab. Nur wenn sich diese grundlegend verschieben, wird auch die tatsächliche Energieversorgung von mehr Nachhaltigkeit und Effizienz geprägt sein.
Dafür ist eine Reihe von Faktoren bestimmend. Zentral wird erstens der Preis für CO2-Emissionen sein. Nur wenn er sich in den nächsten Jahren vervielfacht – und das vor allem auch bei den schnell wachsenden Großemittenten USA, Indien und China –, wird der Anteil von sauberer Energie an der Gesamtproduktion signifikant ansteigen. Zur entsprechenden Preis-steuerung werden gezielte politische Entscheidungen vonnöten sein. Zweitens sind es Effizienzüberlegungen, die die Investitionsmuster verändern könnten. Auch hier spielen wirtschaftliche Überlegungen eine zentrale Rolle: Denn wer seine Effizienz erhöht, kann nicht nur günstiger produzieren, sondern sich auch bei den Endverbrauchern beliebt machen, wenn er ihnen hilft, ihrerseits effizienter mit Energie umzugehen. Schon heute investieren 72% der befragten Anbieter daher in nachfrageseitige effizienzsteigernde Maßnahmen. Der dritte entscheidende Faktor für eine nachhaltige Verschiebung im weltweiten Energie-Mix wird die Versorgungssicherheit sein. Das Bestreben, sie zu erhalten, wird für Politiker wie Versorger immer wichtiger werden. Besonders in China und Indien, die sich hauptsächlich auf fossile Brennstoffe verlassen, ist das Wechselspiel von Versorgungssicherheit, Wirtschaftswachstum und Klimawandel ein zentrales politisches Thema. Offen bleibt dabei, ob sich Versorgungssicherheit und Marktliberalisierung auf lange Sicht nicht ausschließen. Der Trend zu Mergers und Umstrukturierungen wird vor allem in Europa unvermindert weitergehen, und auch die Ortswechsel innerhalb der Wertschöpfungskette werden anhalten.
Studienmethode: Weltweit 119 Top-Manager von Energie-versorgungsunternehmen befragt.
Für die aktuelle Studie „Energy and efficiency: the changing power climate“ hat PwC 119 Führungskräfte von insgesamt 114 Energieversorgern in 44 Ländern befragt. Der Großteil der Studienteilnehmer waren Vorstandsmitglieder und Vorstandsvorsitzende, CEOs oder andere leitende Angestellte. Das Studiensample setzt sich aus Strom- und Gasunternehmen, darunter Anbieter, Übertragungsnetzbetreiber, Händler und Erzeuger, zusammen und repräsentiert ein breites Spektrum von Interessen. In jedem Unternehmen wurden maximal zwei Interviews durchgeführt.