Pressemitteilung
20. April 2006
“The Big Leap – Utilities Global Survey 2006“ – Europas größte Studie über den Gas- und Strommarkt
Im Rahmen der Studie „The Big Leap - Utilities Global Survey 2006“ hat PricewaterhouseCoopers im Jänner und Februar 2006 insgesamt 116 Topmanager aus 98 Energieversorgungsunternehmen in 43 Staaten im Rahmen von ausführlichen Interviews zu ihrer Einschätzung der künftigen Entwicklung des Energiesektors befragt. Die Utilities Global Survey wird heuer bereits zum achten Mal von PricewaterhouseCoopers durchgeführt und bietet von Jahr zu Jahr einen Überblick über die Erwartungen der relevanten Entscheidungsträger.
Kernaussage: Der Energieversorgungssektor steht vor enormen Herausforderungen
Der Energieversorgungsbranche stehen weltweit gewaltige Umwälzungen bevor: In den führenden Versorgungsunternehmen rechnet das Management mit schon fast „revolutionären“ Veränderungen. Besonders stark ausgeprägt ist diese Erwartung in Europa. 72 Prozent der von PwC befragten Topmanager aus europäischen Energieversorgungsunternehmen haben diesen Eindruck angesichts der widersprüchlichen Anforderungen, mit denen sie sich konfrontiert sehen: Ungleichgewicht bei Angebot und Nachfrage, sensible Infrastruktur und Sorgen um die Umwelt.
„The Big Leap“: Ein Quantensprung steht bevor
Die Branche ist bereit für einen großen Sprung nach vorne. Nach Ansicht von zwei Drittel der Befragten müssen in den kommenden zehn Jahren gleich mehrere Probleme gleichzeitig angepackt werden: Umweltschäden müssen reduziert, innovative Technologien entwickelt und neue Brennstoffquellen gefunden werden. Auch am Kundenservice muss gefeilt werden. Aber nicht nur die Unternehmen müssen aktiv werden, sondern insbesondere auch die politischen Entscheidungsträger. 80 Prozent der Befragten sind davon überzeugt, dass politische und regulatorische Faktoren sie bislang an der effektiven Lösung der bestehenden Herausforderungen hindern. Vielleicht seien erst Versorgungskrisen oder Umweltkatastrophen nötig, um den notwendigen Impuls für einen Richtungswechsel auszulösen, war vielfach zu hören.
Größtes Sorgenkind: Die Versorgungssicherheit
Unsicherheiten bei den Rahmenbedingungen und der Regulierung behindern Investitionen in den Sektor und rangieren bei den befragten Unternehmen unter den meistgenannten Herausforderungen. Um den prognostizierten Nachfrageanstieg befriedigen zu können, müssen laut “World Energy Outlook 2005” der International Energy Agency bis zum Jahr 2030 13 Billionen US-Dollar in die Erzeugung, den Transport und den Vertrieb von Strom und die Versorgungsinfrastruktur bei Gas investiert werden. 80 Prozent der Umfrageteilnehmer sind aber davon überzeugt, dass Regulierung und Gesetzgebung sie bei der Entwicklung langfristiger Pläne zur Bewältigung der bevorstehenden großen Herausforderungen behindern.
Schulterschluss zwischen Energieversorgern, Gesetzgebern und Investoren ist notwendig
“Die Befragung zeigt einmal mehr, dass die notwendigen Fortschritte – ob in der Infrastruktur, bei Technologie, Umwelt oder Investitionen – nur gemacht werden können, wenn die Branche den Schulter-schluss mit den Gesetzgebern und den Investoren sucht“, stellt Bernhard Haider, Partner bei PwC Österreich, fest. „Die Strom- und Gasindustrie der Zukunft wird völlig anders aussehen als heute“, so Haider weiter. „Es wird zwar weniger, dafür aber größere ‘superregionale’ Erzeuger und Verteiler geben. Upstream- und Downstreamgeschäft werden enger zusammenrücken und Infrastrukturanlagen werden immer häufiger in den Besitz von privaten Investmentfonds wechseln”, lautet seine Prognose.
Auf Kundenseite werden sich die Energieversorgungsunternehmen voraussichtlich auf eine größere Beteiligung der Endkunden einstellen müssen: z.B. den industriellen Großkunden bei großen Kraftwerksanlagen ebenso wie bei kleineren und mittleren Abnehmern im Zusammenhang mit dezentralen Stromerzeugungsanlagen.
Schlüsselrolle für die Technologie zur Reduktion von Treibhausgas-Emissionen
Eine Schlüsselrolle kommt der Technologie zu. Dazu Erwin Smole, Manager und Energie-Experte bei PwC Österreich: „Investitionen – speziell in die Stromerzeugung auf Basis der sog. Clean Coal Technologien – werden eine wichtige Rolle dabei spielen, in welchem Ausmaß Treibhausgasemissionen gesenkt werden können. Kohle und Kernenergie werden im Brennstoffmix eine größere Rolle spielen. Viele in der Branche rechnen auch damit, dass es weltweite „Cap-and-Trade-Modelle“ zur Emissionskontrolle geben wird.“
Kohle und Kernenergie zur Befriedigung der steigenden Nachfrage – Entwicklung erneuerbarer Energiequellen hinkt nach
Versorgungsunsicherheiten, Technologie-Entwicklungen und höhere Energiepreise werden dazu führen, dass Kohle („clean coal“) in den kommenden fünf Jahren neben Gas den Löwenanteil zur Befriedigung der steigenden Nachfrage beitragen wird. Andererseits steht die Atomenergie vor einer Renaissance: Die Hälfte der Befragten in Nord-, Mittel- und Südamerika sowie in Europa und 44 Prozent aller Umfrageteilnehmer rechnen damit, dass die Kernenergiekapazitäten in ihrer Region im Kampf gegen die Erwärmung der Erdatmosphäre aufgestockt werden. Was erneuerbare Energiequellen betrifft, so sind 42 Prozent der Befragten davon überzeugt, dass deren Entwicklung hinterherhinkt.
Rekordwerte bei Mergers & Acquisitions: 196 Mrd. US-$ Gesamtvolumen
Die Aktivitäten der Branche im Bereich Mergers & Acquisitions haben zuletzt sowohl beim Gesamtwert aller Transaktionen als auch bei der Größe der Einzeltransaktionen Rekordniveau erreicht. „Der Wert aller Transaktionen ist im Jahr 2005 auf 196 Milliarden US-Dollar gestiegen, ein Jahr zuvor lag er bei 123 Milliarden US-Dollar“, berichtet Bernhard Haider.
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