Pressemitteilung
18. Jänner 2006
Internationale Studie von PwC PricewaterhouseCoopers untersucht künftige Trends und Herausforderungen der Städte
Prognosen zufolge werden im Jahr 2030 bis zu 60 % der Weltbevölkerung in Städten leben. Basierend auf dieser Aussage untersuchte PricewaterhouseCoopers (PwC) in einer international durchgeführten Studie die wichtigsten Trends und Herausforderungen der Zukunft, die sich für Städte und Verwaltung ergeben.
Die Studie „Cities of the future – global competition, local leadership“ besagt, dass sich in allen großen Städten der Welt dieselben Megatrends und Herausforderungen entwickeln. Die ermittelten Megatrends bedeuten für die Städte und seine Bewohner sowohl Chancen, bergen jedoch auch Gefahren: Die Themen Globalisierung, Individualismus, Verschmelzung, Beschleunigung, Hi-Tech, Hi-Touch, Demografie, Urbanisierung und Migration kristallisieren sich für alle Städte als Schlüsselbereiche heraus. Für Bürgermeister und andere Führungspersönlichkeiten der Städte werden zunehmend Herausforderungen wie zum Beispiel soziale Intelligenz bei der Erstellung strategischer Zukunftspläne relevant.
„Städte sind die Entwicklungslokomotiven für die Gesellschaft der Zukunft, und angesichts der prognostizierten urbanen Bevölkerungsexplosion befinden wir uns heute in einem für unsere Zukunft entscheidenden Punkt. Stadtverwaltungen überall auf der Welt müssen sich mit den von uns festgestellten Megatrends auseinandersetzen, weil diese heute und in Zukunft alle Bereiche des zivilen, geschäftlichen und öffentlichen Lebens betreffen werden“, erklärt Miklós Revay, Studienverantwortlicher bei PricewaterhouseCoopers Wien.
Die Studie wurde von PricewaterhouseCooopers in über 40 Städten der Welt, darunter u.a. Wien, Frankfurt, Madrid, Göteborg, Johannesburg Sao Paulo, Toronto und Yakohama durchgeführt. Dabei wurden insgesamt 44 hochrangige Vertreter von Städten zu den Herausforderungen und Trends interviewt.
Was bedeutet das für Wien?
Der Stand von Wien im Vergleich zum Gesamtergebnis der Studie:
Mega-Trends:
Globalisierung: Die Stadt hat die Notwendigkeit erkannt, Standorte internationaler Konzerne zu festigen bzw. neuen Konzernzentralen nach Wien zu holen. Das Entscheidungskriterium, die Lebensqualität des Managements in Wien zum Zünglein an der Waage zu machen, sollte noch stärker verwertet werden. Hier hat Wien ein absolutes Assets und hebt sich von vielen anderen Städten ab.
Individualismus: Trotz Wachstum der Städte fordern die Bürger immer mehr Möglichkeiten, sich im persönlichen Bereich individuell entfalten zu können. Im Umgang zwischen Bürgern und der Stadt wird der Trend dahin gehen, dass die Verwaltung der Flexibilisierung im privaten Bereich folgen muss. Es wurden bereits deutliche Schritte dahin gesetzt, wie zB die Möglichkeit der Terminvereinbarung bei Verwaltungseinrichtungen auch via Internet. Dennoch werden in diesem Bereich die Forderungen der Bürger weiter steigen. Ausgeweitete Öffnungszeiten der Verwaltungseinrichtungen werden mittelfristig den Trends der ausgeweiteten Ladenöffnungszeiten folgen müssen.
Verschmelzung der unterschiedlichen Lebensraumbereiche: Wien ist im Vergleich zu anderen Städten in der glücklichen Lage, keinen Stadtkern zu haben, der zu einem reinen Bürozentrum verkommen ist, und in den Abendstunden verwaist. Ebenso ist das Problem der Ghettoisierung einzelner Stadtbereiche in Wien im Vergleich zu anderen Stadten – beispielsweise Paris – weit harmloser. Hier wurde bereits vor Jahren rechtzeitig gegengesteuert. Für die Stadt gilt es, einerseits diesen Trend in den neuen Stadtentwicklungsgebieten fortzusetzen, und auch dort einen bunten Mix anzustreben, aber andererseits auch in die reinen Wohngebiete außerhalb des Stadtkerns im umgekehrten Sinn Arbeitsbereiche anzusiedeln. Problematisch entwickelt sich dies bei den Einkaufszentren, die zunehmend Nahversorgungsbetriebe im städtischen Bereich austrocknen.
Demografische Entwicklung: Hier folgt Wien eindeutig den Trend aller großen Städte, die mit Problemen der zunehmenden Überalterung der Gesellschaft zu kämpfen haben. Dies belastet die Haushalte zunehmend. Wien strebt hier einen sozialen Ausgleich an, muss ihn sich aber teuer erkaufen. Gepaart mit dem Wunsch nach Individualität wird mittelfristig kaum ein Weg daran vorbeiführen, mehr Anreize für die Schaffung von privaten Altersversorgungseinrichtungen zu Preisen, die für eine breite Bevölkerung leistbar sind, zu setzen.
Migration: Wien wird wie alle größeren Städte in den nächsten Jahren wachsen und Bevölkerung aus dem Umland anziehen. Mittelfristig wird sich dieses „Einzugsgebiet“ noch weiter vergrößern, da die relativ nahen Landesgrenzen zu den neuen Beitrittsländern mit zunehmender Integration immer niedrigere Barrieren darstellen.
Herausforderungen:
Einrichtung einer strategischen City-Trend-Beobachtungsstelle: Die Einrichtung einer Beobachtungsstelle, die sich mit den Trends in größeren Ballungszentren auseinandersetzt, von den Entwicklungen anderer Städte lernt, bis hin zu einem Netzwerk zwischen großen Städten, würde sich bei vielen Entwicklungen als positiv herausstellen.
Demokratisches Kapital: Städte wollen von engagierten Bürgern angesprochen werden, hier wird das Angebot der Stadt in Wien weniger angenommen, als es sich die Stadt erwünschen würde. Das ist ein negativer Effekt des Trends nach Individualität, der auch in anderen Städten zu beobachten ist. Das äußert sich auch in einer sinkenden Bereitschaft, ehrenamtliche und wohltätige Aktivitäten zu setzen. Diese Leistungen müssen zunehmend von der Stadt übernommen werden.
City als Marke: Die Bestrebung, sich als Stadt durch Großereignisse ein Markenimage zugeben, ist ein aufwendiger und riskanter Weg. Hier hat Wien mit der Entscheidung, die Expo nicht umzusetzen, richtig gehandelt. Die Konkurrenz um sportliche Großereignisse bringen für Großstädte – wie zB Barcelona und Athen – nicht den gewünschten nachhaltigen Erfolg. Die Veranstaltungen sind zu kurz und nicht geeignet, das Image der ganzen Stadt nachhaltig zu verändern. „Sanftere Veranstaltungen“ wie Kongresse sind weit besser in der Lage, das Alleinstehungsmerkmal Wiens zu nutzen. Daher ist Wien in diesem Bereich im Spitzenfeld gemessen an der Anzahl von Symposien. Die Positionierung Wiens als EU-Vorsitz-Stadt passt daher zum Image der Stadt.
Umweltstadt: Das Ziel, sich als grüne, saubere und gesunde Stadt zu präsentieren, reicht bei weitem nicht mehr aus, um sich von anderen Städten abzuheben. Dieses Ziel wird von fast allen genannten Städten in der Prioritätenliste fast ganz oben genannt, und ist daher schon beinahe „Grundvoraussetzung“ für die Stadt.
Partnerschaften mit Privaten: Hier sind viele Städte im Vergleich zu Wien bereits weiter in der Entwicklung. Bedingt durch eine relativ stabile finanzielle Situation in Wien ist der Druck, privates Kapital und Know-How zB in PPP-Projekten mit einzubeziehen noch sehr gering.
Download der Studie Cities of the future
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